Dorsch (Ostsee)

 

 

 

 

 

 

 

Vorkommen und Bedeutung:

Der bei uns allgemein unter dem Namen Dorsch (Gadus morrhua) bekannte Fisch ist eigentlich eine Lokalrasse des atlantischen Kabeljaus, von dem er sich weniger anatomisch als vielmehr vor allem im Größenwachstum unterscheidet. Die landläufigen Bezeichnungen für diesen Fisch gehen oft etwas durcheinander, als vielfach auch in den atlantischen Gewässern junge Kabeljaus als Dorsche bezeichnet werden. Im Gebiet der Ostsee ist der Name Kabeljau nicht üblich, die Bezeichnung Dorsch dagegen allgemein gebräuchlich.

Der Dorsch ist über das ganze Gebiet der Ostsee verbreitet, wo der Salzgehalt ausreichend ist. So wie der Ostseedorsch eine Lokalrasse des atlantischen Kabeljaus darstellt, so ist auch innerhalb des Gebietes der Ostsee wiederum die Bildung einzelner Dorschstämme mit bestimmten, abgegrenzten Lebensräumen beobachtet worden. Diese Ostseelokalrassen unterscheiden sich voneinander in ihren Laichgewohnheiten und ihrem Wachstum, haben sich oft auch an die in ihrem Lebensraum bestehende Nahrungsgrundlage angepasst und zeigen dann einen ganz charakteristischen Ernährungszustand, der sich schon äußerlich in der Körperform ausdrücken kann. 

Durch die etwas unterschiedlichen Laichzeiten dieser Stämme - bedingt durch verschiedene Wassertemperaturen in den einzelnen Gebieten - kommen auch verschiedene Zeiten des Auftretens von Dorschschwärmen in den einzelnen Küstenabschnitten zustande.

Beschreibung und Lebensweise:

Alle bei uns vorkommenden Arten von dorschartigen Fischen sind äußerlich charakterisiert durch drei weichstrahlige Rückenflossen. Die Bauchflossen liegen vor den Brustflossen, und es sind zwei Afterflossen vorhanden. Den Dorsch selbst erkennt man außerdem leicht an dem kräftigen, einzeln stehenden Bartfaden am Unterkiefer, der als Sinnesorgan bei der Nahrungssuche am Grund dient, ferner an dem vorstehenden Oberkiefer und an der marmorierten Zeichnung der beiden oberen Körperseiten. Die Färbung des Fisches kann unterschiedlich sein, da er wie viele andere Lebewesen die Fähigkeit besitzt, sich äußerlich seiner Umgebung anzupassen. In der Ostsee treten hauptsächlich drei (zeitweilige) Farbvariationen auf: der rötlich bis bräunlich gefärbte "Felsen- oder Steindorsch", der seine Farbe den braunen und roten Tangen angleicht, von denen die unterseeischen Steinfelder besiedelt sind; ferner der grünlich bis gelblich gefärbte Dorsch der Untiefen und Bänke, auf denen Sandstellen und Seegraswiesen abwechseln; und schließlich der schmutzig-grau bis schwärzlich erscheinende Dorsch der tieferen Schlickgründe. Die Bauchunterseite ist bei allen Farbvariationen gleichermaßen weißlich gefärbt.

Über die maximale Größe, die der Dorsch erreichen kann, liegen widersprüchliche Angaben vor, und es ist heute , da die Fischerei überall intensiv ausgeübt wird, auch gar nicht leicht, tatsächlich bis zur Maximalgröße (ca. 40 kg) abgewachsene Exemplare der Nutzfische zu erhalten . Er wird maximal bis zu 30 Jahre alt.

Die Lebensweise des Ostseedorsches wird wie der anderen Fische hauptsächlich von zwei Faktoren bestimmt, nämlich dem Freß - und Fortpflanzungstrieb. Zwischen Weidegründen und Laichgebieten führen die Dorschschwärme Wanderungen durch.

Zum erfolgreichen Ablaichen ist der Dorsch auf einen bestimmten Mindestsalzgehalt angewiesen, da seine Eier freischwimmend (pelagisch) und ohne eine entsprechende Salzkonstruktion des Wassers zu wenig Auftrieb hätten, zu sinken und eingehen würden. So laichen also die Dorsche der westlichen Ostsee während der natürlichen Laichzeit von Januar bis Mai auf Wassertiefen um 20 m ab, während die Dorschstämme der mittleren Ostsee zum gleichen Zweck die entfernter gelegenen tiefen Becken aufsuchen müssen, wo das in der Bodenschicht liegende schwere Salzwasser die abgelegten Eier schwimm - und damit lebensfähig erhält. Die Laichzeit in der mittleren und östlichen Ostsee kann sich dadurch bis in den August hinein verzögern.

Von den Laichgebieten ziehen die Dorsche nach dem Fortpflanzungsgeschäft wieder zu ihren verschiedenen Weidegründen, indem sie entweder den Herings- und Sprottenschwärmen folgen oder seichtere Küstengebiete aufsuchen, die reich an Kleintier und Bodennahrung sind. Ein Dorschweibchen kann bis zu 5 Millionen Eier produzieren, von denen jedoch viele nach dem Ablaichen durch Umwelteinflüsse zugrunde gehen.

Da der Dorsch ein Allesfresser ist, nimmt der Dorsch die Nahrung auf, die ihm am reichhaltigsten zur Verfügung steht. Seine bodennahe Lebensweise begünstigt außer der Fischjagd auch das Aufnehmen von Bodennahrung, vor allem von verschiedenen Krebsarten, Würmern und Weichtieren, worauf auch der dem Fisch eigentümliche Bartfaden hinweist. Dieses mit Sinnesknospen ausgestattete Organ dient dem Fisch zum Absuchen des Grundes. Hauptsächliches Ortungsorgan bei der Jagd auf frei schwimmende Beutefische dagegen ist die Seitenlinie. Das diese beim Dorsch hochempfindlich ist, zeigt die Tatsache, das der Fisch, vor allem in flacherem Wasser außerordentlich stark auf Geräusche und Erschütterungen reagiert. Wie bei allen Grundfischen ist dagegen das Auge nur ein zweitrangiges Organ bei der Nahrungssuche. Es dient dem Fisch hauptsächlich zum Erkennen der Beute auf kurze Entfernung und trägt dazu bei, die Einzelfische in Schwärmen zusammenzuhalten. Unter den Fischen der Ostsee sind die bevorzugten Beutefische der Hering, die Sprotte und der Tobiasfisch. Die Freßwanderungen des Dorsches sind außer vom Salzgehalt auch von der Wassertemperatur abhängig. Durch seine atlantische Herkunft ist der Dorsch ein Kaltwasserfisch, dessen optimale Umwelttemperatur etwa zwischen 2°C und 10°C liegt. Erwärmt sich im Sommer das Wasser der Küstenregionen über diesen Wert hinaus, so sucht der Fisch tiefere Gebiete auf, und das gleiche geschieht beim Eintreten stärkerer Fröste, die das flachere Wasser plötzlich stark abkühlen.

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