Hering(Ostsee)

Beschreibung und Lebensweise

Beim Hering ( Clupea harengus) gibt es, wie beim Dorsch, viele einzelne Rassen und Stämme. Sie geht sogar soweit, das die verschiedenen Stämme nicht nur verschiedene Lebensräume, sondern auch ganz unterschiedliche Laichzeiten haben. Die Körperform, verbunden mit dem Ernährungszustand, dem Reifegrad und dem Fanggebiet ermöglichen es dem Berufsfischer, verschiedene Rassen des Herings schon rein äußerlich zu unterscheiden und zu benennen.

Der Hering ist ein schlanker, silbrig gefärbter Fisch, dessen Rücken grünlich bis bläulich erscheint ("grüner Hering"). Da viele heringsartige Fische äußerlich ähnlich gestaltet sind, muß man, um sie vor allem im jugendlichen Stadium zu unterscheiden, auf einige bestimmte Merkmale des Körperbaus achten. Bei den heringsartigen Fischen der Ostsee ist vor allem eine Unterscheidung zwischen Hering und Sprotte wichtig, zumal beide Fischarten besonders in ihren ersten Lebensjahren in gemischten Schwärmen vorkommen können.

Beim Hering liegt die Basis der Bauchflossen hinter der Vorderkante der Rückenflosse. Die Kielschuppen sind nicht so scharf wie bei der Sprotte; beim Entlangfahren mit der Hand von hinten nach vorn erscheint daher der Hering an der Bauchkante glatter.

Der Hering ist ein Fisch der nördlichen Meere, sein Verbreitungsgebiet liegt überwiegend nördlich des 45. Breitengrades. Die Hauptvorkommen findet man im Atlantik bis zum Nordmeer. Der Ostseehering kann als eine Lokalrasse angesehen werden, die eine besondere Anpassung an die Verhältnisse dieses Meeres erfahren und sich innerhalb desselben wiederum in einzelne Stämme differenziert hat. Während der atlantische Hering bis zu 40 cm groß werden kann, ist der Ostseehering kleinwüchsige, obwohl - besonders in der westlichen Ostsee - einige Schwärme auch Fische bis zu 35 cm Körperlänge enthalten können.

Der Hering ist ein Planktonfresser, der die frei schwimmenden Kleinlebewesen des Meeres beim Schwimmen mit Hilfe eines Kiemenfilters aus dem aufgenommenen Atemwasser aussiebt. Es ist aber bekannt, das der Hering auch nach größeren Beutetieren schnappt, vor allem nach frei schwimmenden kleinen Krebstieren und Fischlarven. Heringe sind Schwarmfische, wobei sämtliche Tiere eines oft gewaltig großen Schwarms vom gleichen Jahrgang sind und zeitlebens zusammenbleiben. Diese Schwärme führen regelmäßige Wanderungen zu Laich und Weidegründen durch, die je nach dem betreffenden Heringsstamm alljährlich in ganz bestimmten Gebieten liegen.

Die befruchteten Eier der laichenden Heringe sinken zu Boden, wo sie an Seegrashalmen (bevorzugter Laichplatz) oder am Grund festkleben. In der Ostsee unterscheidet man hauptsächlich Frühjahrs- und Herbstlaicher, wobei die ersteren überwiegend auch am weitesten in die flachen Küstengewässer eindringen, wo sich das Wasser im Frühjahr am schnellsten erwärmt und die Entwicklung der Eier begünstigt. Die herbstlaichenden Heringsstämme haben dagegen Laichplätze in tieferen Wasser, wo die herbstliche Abkühlung sich verzögert; sie treten daher hauptsächlich in einiger Entfernung von der Küste auf.

Heringe unterliegen einem Tagesrhythmus. Am Tage stehen die Schwärme tiefer und gehen meist nur bei trübem und dunklem Wetter zeitweise in höhere Wasserschichten. Nachts dagegen steht der Hering allgemein höher und nährt sich häufig der Oberfläche. Die Fische folgen dabei dem Plankton, das eine ähnliche lichtabhängige Vertikalbewegung ausführt.

Der Hering besitzt keine Seitenlinie, er ist vielmehr überwiegend ein Augentier, das seine Beute durch den Gesichtssinn auffindet. Auch der Zusammenhalt eines Schwarms wird durch den Gesichtssinn ermöglicht.

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