Scholle

 

 

 

 

 

 

 

 

Einer der allgemein bekannten Plattfische unser Gewässer ist die Scholle (Pleuronectes platessa). Ihr Verbreitungsgebiet umfasst die Küstenzonen und Randmeere West - und Nordeuropas, und sie besiedelt auch die Ostsee bis etwa nach Gotland. Weiter östlich genügt dem Fisch der Salzgehalt des Ostseewassers nicht mehr. Es ist schwer, die Scholle ihrer Zeichnung und Färbung zu beschreiben, da sie wie alle Plattfische ein bemerkenswertes Anpassungsvermögen an ihren jeweiligen Aufenthaltsort hat. So können die für die Scholle typischen, auf der Augenseite verstreuten roten bis orangegelben Flecken verblassen oder von anderen Zeichnungen überdeckt werden. Die eigentliche Grundfarbe der Scholle ist bräunlich, die der Blindseite glasig - weiß. Von der ihr ähnlichen Flunder ist die Scholle durch ihre glatte, schleimige Haut leicht zu unterscheiden, außerdem ist ihr Körper im Verhältnis zur Länge breiter als der der Flunder. Von den Fischern der Ostseeküste wird die Scholle oft auch als Goldbutt oder "Glatte" bezeichnet (im Gegensatz dazu die Flunder als "Rauhe").

Die Scholle bildet, wie viele andere Seefische, Lokalrassen aus, die sich anatomisch unterscheiden können, zum Beispiel durch die Zahl der Flossenstrahlen und Wirbel. Bei Schollen aus besonders nahrungsreichen Gebieten kann man einen - im Verhältnis zum feisteren Körper - kleineren Kopf feststellen.

Auf die Scholle wird seit langem eine intensive Fischerei ausgeübt, und es ist daher schwer, Exemplare zu finden, die ihr volles natürliches Lebensalter erreicht haben. Während in älteren Veröffentlichungen noch von einer möglichen Größe der Scholle von 7 kg Gewicht bei 90 cm Körperlänge gesprochen wurde, dürfte man solche Fische heute wohl kaum noch antreffen. In der Ostsee rechnen wir vielmehr mit einer Durchschnittslänge von etwa 30 cm, während Stücke von 40 cm und mehr schon wesentlich seltener vertreten sind. Die Scholle soll bis zu 50 Jahre alt werden können.

In der westlichen Ostsee gilt die Scholle in gewissem Maße als Standfisch, so dass sie hier keine größeren Wanderungen zwischen Laich - und Weidegründen ausführt. Im allgemeinen findet man die jüngeren Tiere näher an der Küste als die großen Exemplare.

Die Scholle laicht in den Wintermonaten bis in das Frühjahr hinein, ein Weibchen kann bis zu 500.000 Eier produzieren, die frei schweben und aus denen sich dann die anfangs ebenfalls noch planktisch lebenden Larven entwickeln. Zum Schweben im Wasser benötigen die Eier der Scholle, die keinen auftriebsfördernden Öltropfen besitzen, einen Salzgehalt von mindestens 10 bis 12 Promille, der in der westlichen Ostsee noch allgemein, in der mittleren Ostsee dagegen nur noch in den tiefen Senken zu finden ist. Diese Gegebenheiten, verbunden mit einer günstigen Wassertemperatur (6°C), bestimmen also weitgehend die Laichplätze der Scholle. Gelangen die driftenden Eier durch Strömungen in salzärmeres Wasser, so sinken sie ab und gehen zugrunde.

Die Scholle ernährt sich, gleich den anderen Plattfischen, vorwiegend von Bodennahrung. Während jüngere und mittlere Exemplare weniger wählerisch sind, spezialisieren sich ältere Schollen oft auf bestimmte, in ihrem Aufenthaltsgebiet vorkommende Nahrung, wobei sie Weichtiere - vor allem Muschen - zu bevorzugen scheinen. Im Magen größerer  Schollen werden aber auch Seesterne und Jungfische gefunden. Maßgebend für das Wachstum eines Fisches ist neben anderen Faktoren das Angebot an Nahrung. Bei Bodentierfressern wie den Plattfischen ist es also verständlich, dass große Bestandsdichten  leicht mit geringen Stückgewichten der einzelnen Fische einhergehen, da die sesshafte Nahrung eines Weidegebietes durch große Plattfischschwärme erheblich vermindert werden kann. Daher gibt es gerade bei den Plattfischen in den verschiedenen Gebieten der Ostsee große Unterschiede in der Durchschnittsgröße und im Ernährungszustand. Die Scholle bewohnt in der Ostsee sowohl die unmittelbare Küstenzone als auch die tieferen Gebiete; die dichtesten Bestände findet man in Tiefen zwischen 10 und 50 m. Besonders nachts nähern sich die Schollen oft dem Strand bis in flachstes Wasser hinein, um dort ihre Nahrung zu suchen. In der warmen Jahreszeit und auch im Herbst kann man die Scholle an unseren Außenküsten häufig in den tiefen Rinnen zwischen den vorgelagerten Sandbänken mit der Angel fangen. Nach Eintritt der ersten Nachtfröste verlassen die Schollen die flachere Strandregion  und ziehen sich in tieferes Wasser zurück.   

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